_______________________________________neuro-news

    Aktuelles aus der Neurologie und Psychiatrie

    Für interessierte Kollegen stellen wir im Folgenden chronologisch geordnet (neueste Meldungen zuerst) die auch für Nicht-Neurologen interessantesten und wichtigsten Informationen unseres Fachgebiets mit Beschränkung auf die Hauptaussage und den Quellenhinweis bereit.
    Die Sammlung folgt allein unserer subjektiven Wertung und erhebt somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


    Datum der letzten Aktualisierung : 16.9.2001

    Ginko biloba zur Behandlung des Tinnitus unwirksam
    Erste große und methodisch saubere Studie an Patienten mit lange bestehendem Tinnitus. BMJ 2001;322:73

    Omega-3-Fettsäuren und Fisch-Verzehr zur Schlaganfall-Prävention
    Prospektive, epidemiologische Studie an ca. 122.000 amerikanischen Krankenschwestern ergibt Hinweise, dass regelmäßiger Fischkonsum die Häufigkeit thrombotischer, cerebraler Infarkte reduziert. Früherer Befund an Eskimos mit erhöhtem Risiko cerebraler Blutungen durch Omega-3-Fettsäuren wurde nicht bestätigt. JAMA 2001;285:304

    Migräne ohne Aura während Menstruation häufiger, aber nicht heftiger
    Populationsbezogene, realitätsnahe Studie. Migräneattacken sind an den 2 Tagen vor und nach Beginn der Periodenblutung signifikant häufiger, die Charakteristik unterscheidet sich jedoch nicht von Kopfschmerzen außerhalb der Periode. Neurology 2000;55:1517

    Johanniskraut bei schweren, chronischen Depressionen nicht wirksam
    Bisherige Wirksamkeitsnachweise werden insgesamt angezweifelt. Bei schweren Depressionen sollte Anwendung daher unterbleiben. Bei leichteren bis mittelgradigen sollte wie generell in der antidepressiven Therapie die Medikation nach 4-5 Wochen Behandlungsdauer und ausbleibender Wirkung umgesetzt werden. JAMA 2001;285:1978

    Cortison intrathekal bei postzosterischer Neuralgie gut wirksam
    Japanische Studie zeigt ausgezeichnete Wirksamkeit von 4 mal 60 mg Methyl-Prednisolon intrathekal im Abstand von jeweils 4 Wochen bei Patienten mit Versagen einer konventionellen Behandlung mit Antidepressiva/Antikonvulsiva. N Engl J Med 2000;343:1514

    Prädiktoren des Schlaganfallrisikos nach transient ischämischer Attacke
    Risikofaktoren für frühen Schlaganfall nach TIA: Alter > 60J., Diabetes mellitus, Dauer der neurologischen Ausfälle > 10 Minuten, Parese oder Sprachstörung während der TIA. Risiko 3% bei Vorliegen eines Faktors, 34% bei Vorliegen von fünf Faktoren. JAMA 2000;284:2901

    Schlafattacken unter medikamentöser Therapie des M. Parkinson
    Anhand von Kasuistiken wird die Vermutung geäußert, dass offensichtlich viele, wenn nicht alle Medikamente zur Behandlung des M. Parkinson plötzliche Schlafattacken induzieren können, nicht nur Ropinirol (Requip) und Pramipexol (Sifrol), für die entsprechende Einschränkungen seitens der Hersteller existieren. Alle dopaminerg behandelten Patienten sollten auf mögliche Risiken (Autofahren !) hingewiesen werden. Lancet 2000;355:1333

    ASS zur Behandlung von Migräneattacken wirksamer als Placebo
    Kaum glaublich, aber wahr: ASS hatte bis vor kurzem wegen fehlender Studienlage keine Zulassung für die Behandlung der Migräne. Multizenterstudie belegt jetzt eindeutig Überlegenheit von 1000mg ASS gegenüber Plazebo. Cephalalgia 2000;20:663

    Pravastatin senkt Schlaganfallrisiko bei Patienten mit Myokardinfarkt und instabiler Angina pectoris
    Effekt hängt jedoch nicht vom Ausmaß der Senkung des Cholesterinspiegels ab. N Engl J Med 2000;343:317

    Risiko einer Thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura bei Clopidogrel
    Seltenes Auftreten (1 / 1600-500 Fälle) einer TTP in den ersten 14 Tagen der Behandlung. Bei Blutungen, Mikroembolien, fokal-neurologischen Ausfällen Thrombozytenbestimmung, ggf. umgehender Plasmaaustausch. N Engl J Med 2000;342:1773

    Folsäureantagonisten und Fehlbildungsrisiko
    Trimethoprim Triamteren, Sulfasalazin Phenobarbital, Primidon Phenytoin, Carbamazepin, Valproinsäure sind Folsäure-Antagonisten. Erhöhtes Risiko für kardio-vaskuläre Fehlbildungen und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten. Folsäure-Substitution verringert Risiko nur bei Antibiotika, NICHT bei Antiepileptika. N Engl J Med 2000;343:1608

    Evidenzbasierte Therapie der Migräne
    Nach aktueller Studienlage kein Wirksamkeitsnachweis für Hypnose, Akupunktur, TENS, chiropraktische Behandlung, hyperbare Sauerstofftherapie. Neurology 2000;55:754

    Amitriptylin effektive Prophylaxe für Kinder mit häufigen Kopfschmerzen
    Studie an 192 Jungen und Mädchen mit Migräne, Spannungskopfschmerz oder Kombinationskopfschmerzen. Intensität, Dauer der Kopfschmerzen und mittlere Zahl der Kopfschmerztage (von 17/Monat auf 9/Monat) reduziert. Headache 2000;40:539

    Ginkgo biloba unwirksam zur Behandlung der Demenz
    Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an älteren Patienten ohne Unterscheidung der Demenz-Form. J Am Geriatr Soc 2000;48:1183

    Ticlopidin, Clopidogrel oder ASS zur Schlaganfallprophylaxe ?
    Metaanalyse von 2 großen und zwei kleineren Studien. Clopidogrel und Ticlopidin insgesamt etwas wirksamer als ASS (in absoluten Zahlen Unterschied 1%, gerade eben signifikant). Ticlopidin und Clopidogrel gleich wirksam, Clopidogrel hatte jedoch weniger Nebenwirkungen als Ticlopidin. Stroke 2000;31:1779-84

    Schlaganfall und orale Kontrazeptiva
    Große Metaanalyse von 16 Studien. Relative Erhöhung des Risikos um Faktor 4,5 (> 50 mcg Östrogen) / Faktor 2,8 (= 50 mcg Östrogen) / Faktor 2,1 (< 50 mcg Östrogen. Das absolute Risiko stieg jedoch nur um 1 Schlaganfall pro Jahr bei 24000 Frauen, die nicht rauchten und mit normalem Blutdruck. JAMA 2000;248:72-8

    Indikation für craniales CT nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma
    Leichtes Schädel-Hirn-Trauma definiert als Trauma mit Bewusstlosigkeit oder Amnesie ohne neurologische Ausfälle und Glasgow-Koma-Scale 15 zum Untersuchungszeitpunkt. Alle Patienten mit pathologischen CT-Veränderungen zeigten einen oder mehrere der folgenden Befunde: Kopfschmerz, Erbrechen, Alter > 60, Drogen- oder Alkoholintoxikation, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, epileptischer Anfall oder eindeutige Traumazeichen am Schädel. N Engl J Med 2000;343:100-5

    Frühe Erkennung medikamentös therapieresistenter Epilepsien
    Etwa 1/3 aller Patienten sind therapieresistent, so dass möglichst frühzeitig operative Behandlungsmöglichkeiten geprüft werden sollten. Höchsten Prädiktionswert für medikamentöse Therapieresistenz hat das Nichtansprechen auf bereits eine bis zur Nebenwirkungsgrenze ausdosierte Monotherapie eines Antikonvulsivums der ersten Wahl. N Engl J Med 2000;342:314-9

    Intranasales Midazolam bei Fieberkrämpfen im Kindesalter
    In der Akutbehandlung von Fieberkrämpfen im Kindesalter ist Midazolam intranasal (0,2 mg/kg Körpergewicht) gleich wirksam wie Diazepam i.v. Der Wirkungseintritt erfolgt sogar früher. Brit. Med. J. 2000;321:83-6

    Schädelröntgen bei geringfügigem Schädeltrauma: eine Metaanalyse
    Nach dieser Analyse aller Originalarbeiten von 1966 - 1998 hat die Schädel-Übersichtsaufnahme keinen Platz mehr in der Evaluation von erwachsenen Patienten nach Schädeltrauma. Bei Bewußtseinsstörung oder posttraumatischer Amnesie ist ein CCT und/oder stationäre Überwachung obligat. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2000;68:416-22

    Behandlung der Hypercholesterinämie und Schlaganfallrisiko
    Metaanalyse von 41 Studien an insges. ca. 80.000 Patienten. Das Schlaganfallrisiko läßt sich durch Einsatz von Statinen und Diät bei Patienten mit Hypercholesterinämie um 10-23% senken. Cerebrovasc Dis 2000;10:85-92

    Antidepressiva und das serotonerge Syndrom
    Antidepressiva mit serotonerger Wirkung werden zunehmend häufig verschrieben. Unter der Gabe kann ein sog. serotonerges Syndrom auftreten: Verwirrtheit, Agitiertheit, Myoklonien, gesteigerte Reflexe, Tremor, Koordinationsstörungen, Fieber Schüttelfrost. Bei leichteren Formen Übelkeit Erbrechen, Angst, Kopfschmerzen, Tachykardie, Hypertonie. (Todesfolge möglich, umgehende Vorstellung beim Facharzt !) Br J Gen Pract 1999;49:871-4

    Blutungskomplikationen durch Antikoagulanzien nach zerebraler Ischämie
    Nur Patienten mit kardialer Emboliequelle profitieren tatsächlich von einer Antikoagulation. Patienten mit Mikroangiopathie, periventrikulären Dichteminderungen oder lakunären Infarkten im CCT sollten nicht antikoaguliert werden. Das Risiko intrakranieller Blutungen steigt um Faktor 1,4 für jeweils 0,5 Einheiten des INR-Wertes, der INR sollte daher nicht höher als 3,0 sein. Neurology 1999;58:1319-27

    Pharmakologische Therapie neuropathischer Schmerzen
    Metaanalyse von 46 plazebokontrollierten Studien. Trizyklische Antidepressiva sind die wirksamsten Substanzen zur Behandlung neuropathischer Schmerzen. Die meisten Studien wurden mit Amitriptylin oder Imipramin durchgeführt. Pain 1999;83:389-400

    Mißbrauch von Sumatriptan
    Bei einem kleinen Teil (1-4%) der Migränepatienten kommt es zu einer mißbräuchlichen Anwendung von Sumatriptan (Imigran) mit der Entwicklung eines medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes. Cephalalgia 1999;19:735-61

    Langzeitverlauf nach Optikusneuritis
    Die Entwicklung einer MS nach isolierter Optikusneuritis erfolgt üblicherweise innerhalb von 2-5 Jahren, das Risiko liegt bei 30-40%. Höchsten Voraussagewert hat der Nachweis fokaler Signalhyperintensitäten im cranialen MRT. J Neurol 1999;246:770-5.

    Frühbeginn der Lithiumprophylaxe als Faktor für gute Langzeitverläufe bei rezidivierenden affektiven Erkrankungen
    Ein früher Beginn der Lithiumprophylaxe bedingt bessere Behandlungsergebnisse im Langzeitverlauf. Patienten mit hoher Phasenfrequenz profitieren am meisten. Wichtig ist der rechtzeitige Beginn ! (Bislang nur sehr zurückhaltende Verschreibung auch durch Nervenärzte, oft jahrzehntelang nur Behandlung mit Antidepressiva !) Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 1999;249:227-30.

    Ist Alkohol schlaganfallprotektiv ?
    Mäßiger Alkoholgenuß reduziert das Schlaganfallrisiko und insbesondere das Risiko ischäm. Insulte bei Männern. N Engl J Med 1999;341:1557-64.

    Schlaganfallprävention mit Antihypertensiva
    Neue (ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten) und alte (Diuretika, Betablocker) Antihypertensiva sind in der Primärprävention kardiovaskulärer und zerebraler Ereignisse gleich wirksam. Lancet 1999;354:1751-6.

    Memantin wirksam bei mittelschwerer und schwerer Demenz. 5 bzw. 10 mg über 12 Wochen, doppelblinde und placebokontrollierte Studie, J Geriat Psychiatry 1999;14:135-46.

    Gabapentin und Propranolol ähnlich wirksam bei essentiellem Tremor. Enddosis 3x400 mg Gabapentin bzw. 3x40mg Propranolol über 15 Tage, plazebokontrollierte Studie, Arch Neurol 1999;56:475-80.

    Chronisch täglicher Kopfschmerz bei 5% der Bevölkerung und 9% der Frauen in Spanien. Headache 1999;39:190-6.

    Um Faktor 4-7 erhöhtes Schlaganfallrisiko von Frauen mit Migräne, absolute Zahlen jedoch gering. Migräne alleine jedoch kein ausreichender Grund um von modernen oralen Kontrazeptiva abzuraten, Vorsicht jedoch bei vaskulären Risikofaktoren.Cephalalgia 1999;19:75-9

    Häufigkeit von Verkehrsunfällen bei Patienten mit Schlaf-Apnoe 2-3 mal größer als bei Personen ohne Schlaf-Apnoe. N Engl J Med 1999;340:847-51.

    Auch Patienten über 80 Jahre profitieren von der Behandlung einer arteriellen Hypertonie. Reduktion der Häufigkeit von Schlaganfällen, nicht des Myokardinfarkts und der Gesamtmortalität. Lancet 1999;353:793-6.





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